Jupp Hammerschmidt

Jupp-Hammerschmidt-Bescherung
Da hammer die
Bescherung

Als die Martins-Fackeln
noch Rüben waren

Die Weihnachtszeit beginnt seit eh und je mit dem ersten Advent – außer in der guten alten Eifel.
Als dort noch von Ende August bis Mitte Mai durchgängig mindestens zwei Meter Schnee lagen, als im „Sibirien Preußens“ noch jeder Mann sonntags seine eigene Sauna direkt am Körper trug, das sogenannte „Nyltesthemd“ – da begann dort die Weihnachtszeit exakt an Sankt Martin.
Die Laternen im Martinszug, die „Fackeln“, waren ausgehöhlte Rüben mit Kerze – und jedes Kind kriegte vom heiligen Mann einen „Weggemann“ mit Tonpfeifchen, in denen die Heranwachsenden ab September das Herbstlaub ratzekahl bis aufs letzte Blatt wegqualmten, weshalb in der Eifel auch nie ein Laubsauger gesehen wurde.

Sankt Nikolaus war ein weiteres weihnachtszeitliches Highlight, wie auch die Krippe in der Kirche mit dem farbigen Beugemigranten, von den Eifeler Eingeborenen respektlos „Nickneger“ genannt. Nach der Bescherung, genau um Mitternacht, versammelte sich die Gemeinde frisch fichtennadelgebadet zur Christmette.

Die Pappweihnachtsteller gaben zu diesem Zeitpunkt stellenweise schon das Silbergegrissels frei, hatten aber immer noch reichlich Dominosteine im Angebot – mit dieser ekligen Glibberschicht drin, die das kleine Jüppchen von der Konsistenz her an die glasigen Fettstreifen im Sonntagsrinderbraten erinnerte: Gänsehaut-Feeling pur! Iiiih!
Dann waren da noch die heute längst vergessenen „Möhren im Advent“, denen der Kalterherberger Karotten-Dichter Eduard Möhrike mit seinem Poem aber Gott sei Dank ein Denkmal gesetzt hat. Und noch vieles mehr von dem, was die Weihnachtszeit in der guten alten Eifel einst ausmachte, hat Jupp Hammerschmidt zu einer Melange aus Prosa, Reim und Gesang zusammengerührt: „Da hammer die Bescherung!“ Übrigens: Es wird gemunkelt, dass Zömmermanns Jupp, dä arme Schlupp, auch wieder zu Wort kommt.