JUPP HAMMERSCHMIDT

Der Ritt auf dem 
Bohnerblock

Die Eifel im Zeitalter
des Linoleums

Der freitägliche Ritt auf dem Bohnerblock war im Zeitalter des Linoleums ein Riesen-Vergnügen – für den „Blockhocker“. Für den Schieber war es dagegen schwere Arbeit. Bei einem Bruder und fünfzehn Schwestern war der Platz auf dem Bohnerblock, wie man sich denken kann, in der Familie Hammerschmidt heftigst umkämpft.
Sehr hektisch ging es auch am Muttertag zu, selbst in den Jahren, in denen das Tischtuch ausnahmsweise mal nicht in Brand geriet. In der Fastenzeit hätte man mal ein bisschen zur Ruhe kommen können, wenn, ja wenn nicht das Kreuzwegbeten gewesen wäre. Täglich nach dem Mittagessen versammelten sich die Dorfjungs in der Kirche – und dann ging es darum, wer in einer Stunde die 14 Kreuzwegstationen mit Vaterunser, Gegrüßetseisdumaria und Ehreseidemvater am häufigsten „abgebetet“ hatte. 

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Jupp Hammerschmidt weiß aber noch viel mehr zu erzählen, zum Beispiel vom Tropfenfänger, der eigentlich an der Kaffeekanne das „Trösseln“ unterbinden sollte. Eigentlich! Vom „Eisbahnschlagen“ auf der Straße, damals lag ja noch von Ende August bis Anfang Juni durchgängig Schnee, von der Präsentation der neuen Sommer-Klamotten bei minus 15 Grad an Ostern im Hochamt, von der Rolle des Eierlikörs beim Flechten der Fronleichnamskränze in der Scheune – oder auch, wie Papa mit seiner „Agfa Silette“ per Selbstauslöser ein Familienfoto machte, beim Spurt vom Fotoapparat zur Restfamilie ausrutschte – und dann auf dem Foto äußerst dekorativ unten quer vor allen anderen im Matsch lag. Und: Jupp sind neue Strophen des ersten Raps der Menschheitsgeschichte wieder eingefallen, die er über die Jahre vergessen hatte: „Zömmermanns Jupp, dä arme Schlupp!“ – genau um den geht’s! Eine Sensation!

Zwischendurch ein paar Gedichte, ein paar „philosophische Versenktexte“ und dies und das. Ein Programm wie die Eifel selbst: Von allem etwas, aber nur das Beste!

Da hammer die
Bescherung

Als die Martins-Fackeln
noch Rüben waren

Die Weihnachtszeit beginnt seit eh und je mit dem ersten Advent – außer in der guten alten Eifel.
Als dort noch von Ende August bis Mitte Mai durchgängig mindestens zwei Meter Schnee lagen, als im „Sibirien Preußens“ noch jeder Mann sonntags seine eigene Sauna direkt am Körper trug, das sogenannte „Nyltesthemd“ – da begann dort die Weihnachtszeit exakt an Sankt Martin. Die Laternen im Martinszug, die „Fackeln“, waren ausgehöhlte Rüben mit Kerze – und jedes Kind kriegte vom heiligen Mann einen „Weggemann“ mit Tonpfeifchen, in denen die Heranwachsenden ab September das Herbstlaub ratzekahl bis aufs letzte Blatt wegqualmten, weshalb in der Eifel auch nie ein Laubsauger gesehen wurde.

Hammerschmidt-Zimmermans Jupp

Sankt Nikolaus war ein weiteres weihnachtszeitliches Highlight, wie auch die große Krippe in der Kirche mit dem farbigen Beugemigranten, von den Eifeler Eingeborenen respektlos „Nickneger“ genannt. Nach der Bescherung, genau um Mitternacht, versammelte sich die Gemeinde frisch fichtennadelgebadet zur Christmette. Die Pappweihnachtsteller gaben zu diesem Zeitpunkt stellenweise schon das Silbergegrissels frei, hatten aber immer noch reichlich Dominosteine im Angebot – mit dieser ekligen Glibberschicht drin, die das kleine Jüppchen von der Konsistenz her an die glasigen Fettstreifen im Sonntagsrinderbraten erinnerte: Gänsehaut-Feeling pur! Iiiih!
Dann waren da noch die heute längst vergessenen „Möhren im Advent“, denen der Kalterherberger Karotten-Dichter Eduard Möhrike mit seinem Poem aber Gott sei Dank ein Denkmal gesetzt hat.
Und noch vieles mehr von dem, was die Weihnachtszeit in der guten alten Eifel einst ausmachte, hat Jupp Hammerschmidt zu einer Melange aus Prosa, Reim und Gesang zusammengerührt: „Da hammer die Bescherung!“
Übrigens: Es wird gemunkelt, dass Zömmermanns Jupp, dä arme Schlupp, auch wieder zu Wort kommt.